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Anfang Mitte Ende Valeria Luiselli übers. v. Brigitte Jakobeit
Rowohlt  août 2026 26 € 368 pp.

Für kurze Zeit stand Valeria Luiselli im Mittelpunkt der Welt, und das obwohl sie selbst gar nicht anwesend war. Die Mitte tat sich auf bei einem Lunch Break unserer Konferenz in Washington DC, und wer Luiselli dort ins Zentrum seiner Welt rückte, war mein Kollege Ignacio Sánchez Prado. Alles, was Nacho interessiert, sind seine Frau, sein Hund, Tacos, und die Literatur, die Reihenfolge ist flexibel. Jetzt galt seine ganze Aufmerksamkeit Valeria Luiselli. Ist sie wirklich so begabt, oder wird sie nur gehypt? Ist die Rede vom Hype sexistisch? Können wir Luiselli einfach lieben, oder bleibt man besser auf Distanz, schon weil sie aus der Bildungselite kommt? Ist sie Mexikanerin oder gringa, oder etwa beides, und was hat das mit der Qualität ihrer Literatur zu tun? Nacho griff zu den Carnitas und würzte sie mit Literaturwissenschaft, Gossip und Hunger. Seine Begeisterung war ansteckend.

Als Tochter eines Diplomaten und einer Zapatistin sowie Enkelin aktivistischer Großmütter klingt Luisellis Kindheit so abenteuerlich wie manche ihrer Geschichten. Geboren wurde sie 1983 in Mexiko-Stadt, zog aber schon im Alter von zwei Jahren in die USA und wuchs anschließend in Costa Rica, Südkorea, Südafrika und Indien auf. «Um Mexikanerin zu werden», wie sie sagt, ging sie als Jugendliche zurück nach Mexiko, studierte Philosophie an der UNAM, promovierte an der Columbia und lebt seit zwanzig Jahren in New York. Der Gossip? Sie heiratete einen mexikanischen Schriftsteller, brachte eine Tochter zur Welt, trennte sich wieder, brachte eine zweite Tochter zur Welt.

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Das Leben außerhalb Mexikos hatte Luiselli von einer Muttersprache getrennt, in die sie sich 2010 mit dem Essayband Papeles falsos «zurückschrieb». Die Schwerelosen, ein Jahr später erschienen, enthält wie das neue Buch auch einen Roman im Roman. Der Durchbruch gelang ihr 2013 mit der Geschichte meiner Zähne, die sie im Austausch mit Arbeiter:innen der Saftfabrik Jumex entwickelte. Es ist bis heute das Lieblingsbuch nicht nur einer Mittagspause mit Nacho Sánchez Prado, sondern einer ganzen mexikanischen Generation.

Mit Tell Me How It Ends wechselte Luiselli ins Englische. Sowohl dieser «Essay in 40 Questions» als auch der darauffolgende Roman Lost Children Archive basieren auf ihrer Arbeit als Übersetzerin für migrantische Kinder in den USA. «The problem with trying to tell their story», schreibt Luiselli, «is that it has no beginning, no middle, and no end.» Leben erzählen, in eine Reihenfolge bringen – wie geht das?

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