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Pol Taburet ist mit Werken bekannt geworden, die ihre Betrachter:innen anschreien – intensive, grelle Farben, spitze Formen. In grün, gelb, rot entwickeln sich abstrakte Räume und Begebenheiten. Nicht nur die Farben, auch die Sujets und Referenzen seiner Gemälde, Skulpturen und Installationskonzepte wachsen aus Schwarzen diasporischen Welten. Er versteht seine Kunst als Neo-Afro-Romantik, der klassisch europäische Background seines Kunststudiums fügt sich mit der vertrauten Schwere, dem Vermächtnis der Transitzonen, das Denker:innen der Karibik, von Glissant bis Gilroy, in Kunst und Theorie ausgearbeitet haben. In Paris aufgewachsen, mit Familie aus Guadeloupe, arbeitet sich Taburet durch Bildräume von Leben und Tod, Gewalt und Liebe, Spiritualität und haunting.

Diese Atmosphären sind traumartig, aber nicht zwingend auf schöne Art. Eher eine unklare, auch beängstigende Heimsuchung in diffuser Gegend. Die abgebildeten Figuren (vielleicht sind es Personen, vielleicht Geister und vieles dazwischen) sind im Kern geometrisch, tragen spitze Hüte (Köpfe?) und verschwimmende Gesichter: Statt mit dichten Acrylfarben arbeitet Taburet hier mit Airbrush; Zähne sind manchmal zu erkennen, offene Münder, Schreie, fast nur angedeutet. Entfremdete Körper, Gesichter wie Masken, Charaktermasken. Nie ganz erkennbar, wie nicht ganz da, in Bewegung, in einer Halluzination.

Auch im Berlin Review Reader 7

In einem neuen, im Frühling 2026 entstandenen Werkzyklus, aus dem wir im Reader 7 eine Auswahl zeigen, bleiben die Formen, das Mystische, die wiedererkennbaren spitzen Figuren – doch die Farbtöne sind andere. Dunkelheit nimmt mehr Raum ein, über dieser Welt liegt ein Schatten. Aus Karminrot wird ein leichtes Rosa, das satte Grün wird tiefer, schwerer. Aber auch: ruhiger, als hätten sich das Unklare, die Bedrohung eingelebt, als seien es nicht mehr Schock und Drama, die das Verhältnis bestimmen, sondern eine gewisse Stille – muted colors. Frühere Arbeiten wirkten knalliger, wie inspiriert von Comicserien und Hip-Hop-Musikvideos der frühen 2000er, Grime und Trap als Soundtrack für die Farben und Formen. Die neue Zurückhaltung, Taburet beschreibt sie selbst als religiöse Stille, lässt weiterhin Musik vermuten, nur eben hintergründig, abseits und gedämpft.

Muted colors, der leichte Schleier, der uns von den Bildern trennt, verstärkt das Numinose der Zwischenwelten, in die wir uns mit Taburet begeben. Die Figuren, nicht ganz träumend, nicht ganz wach, zwischen Leben und Tod, in all den Zuständen des Dazwischen, die karibische Fabulationen kennen: Grenz- und Schwellenräume, liminal spaces. Auch hier schleicht sich, mehr durch Abwesenheit als durch direkte Repräsentation, eine diffuse Bedrohung, eine omnipräsente Gewalt ein. Sie nimmt neue Formen an, Totenköpfe betreten das Bild, sind versteckt, aber anwesend. Portale öffnen sich, unklar, ob sie Auswege oder Angriffe bergen. Dennoch sind die Figuren der neuen Werke Außerweltlichem zugewandt; sie schauen fragend, winkend, gestikulierend in Richtung der Geister und Portale.

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Der Soundtrack bleibt Hip Hop, mehr Black Melancholia als anderes, gedämpft und gespenstig, dennoch voller Leben und Legacy. Ein Track, den ich dazu spielen würde, ist «The Narcissist» von Dean Blunt – früher Teil eines Duos, das sich nach dem legendären Musikvideoregisseur der 90er und 2000er, den auch Pol Taburet zu seinen Inspirationsquellen zählt, «Hype Williams» nannte. Die Bilder treffen auf dekonstruierte Samples aller Art, melancholisch nachhallende Vocals und ein leichtes, schwer lokalisierbares Rauschen. Auch diese Musik spielt in traumartigen Welten.

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Autore:
Meret Weber ist Volontärin der Berlin Review. [Mehr lesen]
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