Nach der Dekolonisierung kamen die Despoten: So verkürzend erzählen westliche Beobachter gern die Geschichte afrikanischer Nationalstaaten. In Slow Poison gelingt dem Anthropologen Mahmood Mamdani etwas anderes: das genaue Porträt zweier Diktatoren und zugleich seines Heimatlandes Uganda.
Auch Schurkenstaaten sind trendsensibel: Auf der Venedig-Biennale 2026 sehen Pavillons wie der russische der modernekritischen Hauptausstellung verdächtig ähnlich. Der Kritikerkamarilla, die sich jahrelang über zu viel Politik und Theorie in der Kunst beschwert hat, müsste das eigentlich gefallen.
Zwei Bücher über den Jüdischen Arbeiterbund und die radikale linke jüdische Tradition zeigen auf, wie heutige Politik sich aus einer lange vergessenen Geschichte diasporischer Solidarität inspirieren kann – dass den Autor:innen dabei auch ein paar Anachronismen unterlaufen, lässt sich verschmerzen.