+en Audio No 22 Okt. 2026 Free Catherine Liu Der Kapitalismus liebt die Traumakultur Der größte Coup des Überwachungskapitalismus: uns davon zu überzeugen, dass unsere Wunden uns ausmachen, dass Verletzlichkeit Stärke ist und dass wir auf ewig die Traumata der anderen achten müssen, während die Mächtigen unberührt bleiben. Ein Memo über Traumakultur vor unserem Volksbühnen-Event. en Audio No 22 Okt. 2026 Sarah Stein Lubrano Don’t Talk About Politics “I am, of course, not arguing that we should think like Steve Bannon. I am, however, struck by how precisely Bannon has identified what makes people commit to political ideas and take action, how well his movement has weaponized this insight”—a memo in light of our Volksbühne event on October 27. +en Audio No 22 Okt. 2026 Georg Diez Die Müll-Frage Berlin ist vermüllt – und alle Parteien wollen das ändern. Die Mittel, die dafür vorgeschlagen werden, reichen von autoritär bis gemeinschaftsbildend. Zwischen Ideologie und Pragmatismus hat «Müll» sich zu einem Politikfeld entwickelt, in dem eine zeitgemäße Demokratie eingeübt werden könnte. en No 22 Okt. 2026 Esra Sarıoğlu The Volksbad and the Shifting Politics of Swimming Pools Berlin’s public pools have become battlegrounds over race, security, and national decline. The moral panic surrounding the Volksbad project asks what remains of the pool as a public good, and what kinds of social life can still take shape there. en No 22 Okt. 2026 Vladimir Konchayev How Russia Broke Its Internet Once among the world’s most open, Russia’s internet is now a maze of proxies, spyware, mandatory apps, and sandboxed networks. Writing under a pseudonym, a Russian journalist reports on what remains of the free web under Putin’s wartime regime.
Audio No 21 Aug. 2026 Maximilian Steinbeis Ausnahme und Identität – zum «Existenzrecht Israels» im Volksverhetzungsparagraphen Die Hessen-CDU will neben der Verherrlichung des NS-Regimes und Leugnung des Holocaust auch die Ablehnung des «Existenzrechts Israels» unter Strafe stellen. Um dies zu erreichen, will sie ein Sonderrecht ins Strafgesetz einführen – es würde die deutsche Verfassungsidentität fundamental verändern. No 21 Aug. 2026 Free Meret Weber Muted Colors – zur Malerei von Pol Taburet Im Reader 7 zeigen wir eine Werkauswahl des Pariser Künstlers Pol Taburet. In seiner Malerei spielen Geister genauso eine Rolle wie Rap-Videos der frühen 2000er. Farben zeigen sich mal laut, mal still oder gedeckt, und afrokaribische Fabulationen machen uns mit seinen neuen Figuren vertraut. Audio No 21 Aug. 2026 Karosh Taha Wie deine Ausdauer ist darüber haben sie Kenntnis «Ich verfluche das Land in den Krieg das schwöre ich bei den Explosionen ich lasse den Himmel tausendfach zerstückelt auf euch herabfallen» – ein Auszug aus Karosh Tahas neuem Roman Gulistan Audio No 21 Aug. 2026 Anne Gräfe, Ralf Michaels Warum eine gewaltfreie Blockade des AfD-Parteitags richtig ist Wer Antifaschist:innen mehr fürchtet als Faschist:innen, der verwechselt Demokratie mit der grenzenlosen Toleranz für ihre Gegner. Solange es kein Verbotsverfahren gegen die AfD gibt, ist ziviler Ungehorsam gegen sie eins der besten Mittel zur Verteidigung der bundesrepublikanischen Verfassung. No 21 Aug. 2026 Samir Sellami Falsche Münze: Trump vs. «PIX» Alle in Brasilien zahlen mit «PIX», dem besten digitalen Zahlungssystem der Welt. Das provoziert die US-Regierung zu einem Angriff, der weit über Handelsfragen und Zollpolitik hinausreicht. Was macht Pix so unwiderstehlich gut? Und was für die MAGA-Bewegung gefährlich? en No 21 Aug. 2026 A.V. Marraccini Our Age of No-Brow Nobody killed the humanities. And yet they lie in guilt and agony in their cave, reaching for the last roasted scraps of the Sun God’s sacred cattle. What does this end-of-the-world Odyssey summer mean for the public intellectual? And can they survive it?
+en No 20 Juni 2026 Free Tobias Haberkorn Never Young – Editorial zum «Reader 7» «Das bedrückende, aber auch interessante Gefühl, nie wirklich jung gewesen zu sein, dürfte der Lebenswirklichkeit vieler junger Menschen heute schicksalhaft entsprechen.» Auffallend viele Texte in unserem Reader 7 beschäftigen sich mit Ewigkeit, Tod – und dem nicht-optimierbaren Rest des Lebens. Audio No 20 Juni 2026 Marius Goldhorn Sechs Übungen zum Chinamaxxing Sich wahllos China-Content reinzuziehen, den man gar nicht versteht, ist das Meme dieses Internet-Jahres. Unser Autor will sein «Chinamaxxing» aber nicht als typische Anbiederung eines westlichen Intellektuellen an den kommenden Hegemon verstanden wissen. Er ist zum echten Daoisten geworden.
Audio No 19 Mai 2026 Enis Maci AI Uglies – vom politischen Gebrauch der Hässlichkeit «Die Funktionsweise Groks bleibt eine Black Box. Was aus ihr kommt, ist kategorisch flach: Hamas oder Siedler, Krake oder Oktopus, alles sieht gleich aus, wird gleich, äquivalent, scheißegal.» en No 19 Mai 2026 Ryan Ruby Three Poems “But history / Is not without a malicious sense of humor, / And commerce is cleverer than it gets credit for.” Ryan Ruby plucks at the strings that stretch from there to here, from our skulls to our screens, in three poems on looking and not looking, doing and not doing. +en Audio No 19 Mai 2026 Wolfgang Streeck Notizen zur politischen Ökonomie des Krieges «Manichäismus allenthalben – das Ende der Welt, der Demokratie und der Zivilisation, wenn der gute Kampf gegen den bösen Autoritarismus nicht mit allen Mitteln geführt wird – von unserer Jugend, die das Gespenst der deutschen Jugend von vor zwei Generationen bekämpft, die den bösen Kampf führte.» +de Audio No 19 Mai 2026 Antoine Idier Christian Maurel, der Rasende Lange einem falschen Autor zugeschrieben, fordert Antoine Idier zur Neuausgabe von Christian Maurels Für den Arsch, den Text als Kernbeitrag zu politischen und publizistischen Debatten über Sexualität, Begehren und Revolution einzuordnen. Wir veröffentlichen sein Vorwort in deutscher Übersetzung.
+en+fr Audio No 18 Apr. 2026 Louisa Yousfi Ein Vorname ist ein Talisman «Ein Vorname ist ein Talisman. Er ist die Erinnerung an den Weg, den alle anderen vor uns gegangen sind. Dass sie vor uns solches Leid ertragen haben, lindert unser eigenes. Ein Kind mit rechtem Namen ist auf ewig gerettet» – eine Erzählung zu den Bildern Rayan Yasminehs in unserem Reader 6 +en Audio No 18 Apr. 2026 Free Tobias Haberkorn Frozen Conflict – Editorial zum «Reader 6» «Es war immer eine Illusion, dass staatlich geförderte Kultur in Deutschland überhaupt nichts mit Staatskultur zu tun habe» – ein Editorial für eine Welt, in der Kriege im Äußeren die Freiheitsräume im Inneren immer kleiner werden lassen – links und rechts von Wolfram Weimer. +en Audio No 18 Apr. 2026 Alaa Alqaisi Besser als Berlin «Ich lächle oft. Ich biete vorsichtiges Englisch an, abgerundet und höflich. Ich sehe, wie Gesichtsausdrücke sich verändern, wenn ich sage, dass ich Palästinenserin bin. Dass ich aus Gaza komme.» Audio No 18 Apr. 2026 Philipp Felsch Der Teufelskreis des Partikularismus – Habermas und die deutsche Erinnerungskultur Nirgendwo hat Jürgen Habermas die symbolische Ordnung der Bundesrepublik nachhaltiger geprägt als in der Erinnerungskultur. Doch mit den Jahren wurden seine gedächtnispolitischen Interventionen dünner und es wuchs die Ahnung: Wir sind da – mit Habermas oder gegen ihn – in eine Sackgasse geraten. Audio No 18 Apr. 2026 Thomas Meaney Normcore «Einen echten Kontrast bildeten derweil die Wortmeldungen englischsprachiger Linker, denen der deutsche Philosoph eine blasse Erinnerung auf Seminarplänen schien – war Habermas nicht auch in der Hitlerjugend gewesen und lag bei Gaza arg daneben?» – Nachlese zum Tod des großen Denkers der BRD. en Audio No 18 Apr. 2026 Zoltán Ádám The Morning After Orbán If Péter Magyar’s Tisza party unseats Viktor Orbán after sixteen years of popularly legitimized autocratic rule, it will end a regime that has steadily narrowed democratic life in Hungary. The route out of Orbánism, however, comes at the cost of diminishing all non-right-wing political options. Audio No 18 Apr. 2026 Damon Taleghani «Tod dem Tod. Es lebe das Leben» «Tod dem Schah» riefen in den 60ern Iraner:innen, die gegen die Diktatur ankämpften. Nach dem Januar-Massaker der islamischen Regierung an Protestierenden und mitten im US-israelischen Luftkrieg wünschen viele Exilierte sich den Schah zurück. Wie konnte die iranische Diaspora so nach rechts driften?
+en No 17 Feb. 2026 A. Dirk Moses Blindheit und bürgerliche Kälte Der Essay «Erziehung nach Gaza nach der Erziehung nach Ausschwitz» von A. Dirk Moses, vergangenen September in Berlin Review publiziert, sorgte für regen Widerspruch, darunter eine Replik von Philipp Lenhard auf diesen Seiten. Hier antwortet der Autor auf seine Kritiker und schärft sein Argument. No 17 Feb. 2026 Ralf Michaels Fake Mit manipulierten Medieninhalten haben deutsche Regierungen seit der «Emser Depesche» ihre Erfahrungen gemacht. Warum beteiligt sich der deutsche Außenminister, und mit ihm der französische, an der Kampagne gegen die UN-Palästina-Beauftragte Francesca Albanese, die nachweislich auf einem Fake fußt? en No 17 Feb. 2026 Free Enis Maci Seven Years Later A genocide, a right-wing order, an AI-overload of words and images. Ahead of Eiscafé Europa’s English-language release, the author reflects on the political traces and transformations of the seven years since its first publication.
+en Audio No 16 Jan. 2026 Free Samir Sellami Where the Light Gets In Wenn es um das Erzählen von Krieg, Verlust und Zerstörung geht, hört man oft, die Funktion von Literatur sei, zu erinnern und zu bewahren, was sonst vergessen würde. Viele Texte unserer neuen Printausgabe eint ein anderes Verlangen: der Wunsch nach Rekonstruktion. Editorial zum Reader 5. +en Audio No 16 Jan. 2026 Login Tobias Haberkorn Future Perfect – zu Fotografien von Wolfgang Tillmans «An der BPI sitzen zwei Schülerinnen in Tanktops und zeigen sich etwas auf ihren Handys – dass heute angeblich alle mit ihren Smartphones ähnliche Fotos machen könnten wie Wolfgang Tillmans, ist ein frecher Einwand gegen seinen Stil, eigentlich aber die ultimative Anerkennung seiner Meisterschaft.» en No 16 Jan. 2026 Login Lauren Oyler On Not Going Home “She could be me someday, if he leaves her alone, but he says that’s who he lives for, and so I showed him last night what he’ll fathom, fully ’fine,’ the rest of his life: rejection”—three poems on time wasted and time regained, from Deutsche Bahn compartments to Zweiners, Neukölln. Audio No 16 Jan. 2026 Jordy Rosenberg Mein Leben, von Barbara Rosenberg «Denn Mutterschaft verleiht einem eine gewisse Handlungsfähigkeit, als würde eine heiße Esskastanie in einem aufbrechen. Das absolut Schlimmste daran, ein kinderloses Kind zu haben, ist das Wissen, dass es sich nie eine Vorstellung davon machen wird, wie oft man in seinem Sinne handeln musste.» Audio No 16 Jan. 2026 Philipp Lenhard Mit Adorno gegen Israel? Mit Adorno gegen Israel denken? Das sei der – laut Philipp Lenhard zum Scheitern verurteilte – Versuch von A. Dirk Moses in seinem Berlin-Review-Essay «Erziehung nach Gaza nach der Erziehung nach Auschwitz». Wir veröffentlichen Lenhards Replik. en Audio No 16 Jan. 2026 Elad Lapidot Gaza as World War Why is Gaza so significant, people keep asking. It is not only the destruction of tens of thousands of innocent lives. It is also the ideological dimension that makes Gaza stand out, much like another local war that divided societies around the globe—and set the stage for World War II.
+en Audio No 15 Nov. 2025 Yevgenia Belorusets Vom Aushalten des Krieges «Als der ersehnte Frieden nicht kommen wollte, entstand in der Ukraine eine ihm entgegengesetzte Idee: das Konzept des ‹Aushaltens›, der Unzerbrechlichkeit. Damit verbunden ist die widersprüchliche Vorstellung, dass der Krieg eine freie Entscheidung und zugleich unvermeidliche Notwendigkeit sei.» Audio No 15 Nov. 2025 Deniz Utlu Auf der Suche nach der Suche In der Türkei war Tezer Özlü längst im Kanon. Nun ist sie mit zwei neuen Veröffentlichungen endlich auch in Deutschland zu entdecken. Die Manuskriptsuche liest sich wie das Exposé eines Detektivromans – und verrät viel über einseitig verbaute Chancen einer deutsch-türkischen Literaturgeschichte. en Audio No 15 Nov. 2025 Adania Shibli Book as Enemy “Smoking might be banned at book fairs, while one doesn’t expect books to be banned from book fairs. Even if a character in one of the books exhibited at a fair is smoking, this wouldn’t lead to a ban on characters smoking in books. The simple, obvious reason is: literature does not equal reality.” Audio No 15 Nov. 2025 Daniel Marwecki Die Welt nach dem Westen Der russische Überfall auf die Ukraine besiegelte den globalen Machtverlust des Westens, obwohl er ihm zu einem letzten kurzen Hurra verhalf. Seither fliegen den liberalen Demokratien die eigenen Sünden um die Ohren. Sie brauchen eine Fähigkeit, die im Nachkrieg kaum gefragt war: Improvisation.
en No 14 Okt. 2025 Elad Lapidot Acts of Silence The main argument against a boycott of Israeli universities is that it harms the wrong people, hitting civil society and weakening opposition to Netanyahu. But this rests on false assumptions, philosophically and practically. Protests and acts of “speaking up” can be complicit in criminal politics. No 14 Okt. 2025 Nils Riecken, Schirin Amir-Moazami Ausnahme, Affekt und «freie» Wissenschaft Autoritär sind immer die anderen: im akademischen Bereich derzeit die Trump-Regierung, die die Freiheit von Forschung und Lehre untergräbt. Doch mit dieser Freiheit ist es auch in Deutschland nicht weit her. Was die viel zitierten Staatsräson-Ausladungen eint, ist eine Struktur autoritärer Affekte. No 14 Okt. 2025 Peter Ullrich Bitte keine Polizei – der «Fall ASH» und der autoritäre Anti-Antisemitismus An der Besetzung der Alice-Salomon-Hochschule im Januar 2025 und ihrer Auflösung lässt sich zeigen, wie die deutsche Antisemitismusbekämpfung ins Autoritäre gekippt ist: Man weiß nicht mehr gut genug, was Antisemitismus eigentlich ist, wie man ihn wirksam bekämpfen könnte, und wer das tun soll.
+es No 13 Aug. 2025 Hebe Uhart Hexenwerk «Ich schaffe gerade Ordnung bei den Pflanzen, sie sollen sich nicht in die Quere kommen, nichts Abgestorbenes, keine Ameise soll stören. Sie sind vernünftig und passen sich ihren Behältern an; sind diese klein, bleiben sie kleinwüchsig, wenn sie Platz bekommen, legen sie zu. Anders die Menschen.» en No 13 Aug. 2025 Alina Stefanescu Fourteen Days in Bitcoin Romania Neither Trump’s nor Putin’s pet came out as president from the elections, but there is little doubt that one day Romania will follow its neighbors into the lure of mobster governance. Until then, investors, ideologues, and influencers are prepping up for one more round of selling out their country. +en No 13 Aug. 2025 Free Samir Sellami, Tobias Haberkorn Eines Tages Seine Verletzungen wiederholen und durcharbeiten soll, wer Frieden mit sich selbst und mit den anderen schließen möchte – so lehrt es die Psychoanalyse. Die in unserem Reader 4 versammelten Texte und Fotografien zeigen auf, wo diese Methoden an der Gegenwart scheitern.
en No 12 Juni 2025 Nahil Mohana The Price of a Watermelon “Why shouldn’t we fill our bellies with all sorts of different foods instead of eating the same meal over and over again? We don’t want crumbs. It is our right to refuse. I’d rather go hungry than eat what I’m forced to. If I starve, let it be by choice: I am a survivor, not a victim.” +en No 12 Juni 2025 Claudia Durastanti Fascism Fatigue Als Antonio Scuratis Roman Mussolini erschien, hatte Trump gerade sein Amt angetreten. Seitdem hat sich die Lage nur noch weiter verschlechtert – die heutigen Nachahmer Scuratis benutzen den Faschismus als eine Kulisse für Liebesgeschichten und Coming-of-Age-Romane. No 12 Juni 2025 Wang Xiaobo Ein Schwein mit eigenem Schädel In China ist Wang Xiaobos «Goldenes Zeitalter» seit 30 Jahren Indie-Kult; auch in der Kurzform exzelliert er mit bübischem Frevel. Von einem besonderen Schwein, das der Produktionskette entkam und zum Arbeitsstreik pfiff, als «schlechtes Element» denunziert wurde – und auch das überlebte.
No 11 Mai 2025 Judith Butler This Is Wrong Mit seiner Executive Order zur Geschlechterbinarität will Trump die «biologische Wahrheit» zurück in die Hände des Staates legen. Und sein transfeindliches Dekret dient einem noch höheren Ziel: der Selbstermächtigung einer Regierung, die progressive Gesetze einkassiert und den Rechtssaat aushebelt. No 11 Mai 2025 Ulrich Peltzer, Anne Lass Schieberamsch «Sonny, das Wiesel, hatte jedes Mal etwas anzubieten, einen Toaster in Originalverpackung, einen Satz Sportfelgen, einen schweren Kunstkatalog, der noch eingeschweißt war» — ein Ode an Berliner Glücksritter und Spielsüchtige, illustriert von der Fotoserie «Golden Age» aus unserem dritten Reader. No 11 Mai 2025 Henrike Kohpeiß Werte ohne Wirklichkeit Kein Tag ohne neues Erstaunen über den herankriechenden Faschismus, der sich in Trumps Deportationen, dem Genozid in Gaza, aber auch im hot boredom der Kunst manifestiert. Gibt es wirklich keine Alternative zur liberalen Distanznahme, die all das wie ein irrsinniges Theaterstück beschreibt?
+en No 10 Apr. 2025 Login Tobias Haberkorn, Samir Sellami In Faschismus driften Drei Strategien gegen Faschismustendenzen kennt die liberale Demokratie: Eingemeindung, Ausgrenzung oder Repression. Keine funktioniert mehr gegen die AfD, und in den USA dreht MAGA das Tempo auf. Lesen Sie in unserem Editorial zum Reader 3, warum dem liberalen Antifaschismus die Mittel ausgehen. No 10 Apr. 2025 Esra Özyürek Auf Stolpersteine starren Ihre ersten Berlinaufenthalte führten unserer Autorin typische rassistischen Vorurteile gegen türkischstämmige Menschen vor Augen. Hier erzählt sie, wie sie zu ihrem Buch Stellvertreter der Schuld und zur Außensicht auf deutsche Erinnerungskultur kam, in der Muslimen eine präzise Rolle zukommmt. No 10 Apr. 2025 Stefan Aue, Laro Bogan, Anne Gräfe, Susanne Leeb Zunehmend autoritär Vor 100 Jahren amtierte in Thüringen die erste von völkischen Kräften tolerierte Landesregierung. Sie zwang das Bauhaus zum Umzug von Weimar ins noch SPD-regierte Dessau. Heute sind Kunsthochschulen wieder ein Ziel von Gängelung und Repression – und die gedankenlose politische Mitte macht mit. No 10 Apr. 2025 Miryam Schellbach St. Louis, März/April 2025 «Was folgt, sind meine bescheidenen Neuigkeiten aus St. Louis. Nicht, weil ich denke, dass alles, was hier passiert, nicht ohnehin Gegenstand eurer Gespräche wäre, vielleicht auch zu viel, gemessen an der sonstigen Weltlage. Alles passiert hier so schnell, dass ich es aufschreiben muss.»
No 9 März 2025 Diedrich Diederichsen Das Rohe und das Kettengesägte Musk und Bannon, FDP und AfD widersprechen sich nur scheinbar – eigentlich brauchen Libertäre und Völkische einander. Die einen haben nur Methoden und keine Inhalte, die anderen nur Idealbilder und keinen Plan: Ihre Koalition ist inkohärent aber schlagkräftig, ihr Ziel Disruption und Gewalt. No 9 März 2025 Victor Heringer Die traurigste Frau der Welt Crônicas sind Zeitkapseln, die blitzschnell von Kritik in Karikatur und Erzählung umschalten. Für die Bewusstseinsbildung in Lateinamerika sind sie so wichtig wie Landreform oder testimonio; in Brasilien schrieb Victor Heringer von 2014 bis 2017 ein paar herausragende Exemplare. Eine Auswahl No 9 März 2025 Victor Heringer ich bin eine kleine kirche, Silas Der Triumph der evangelikalen Kirchen in Brasilien war auch ein Mediencoup. Während katholische TV-Messen wie Schlossführungen in Pantoffeln wirkten, bekam man bei den Pfingstbewegungen das Heilige Feuer in HD, uferlose Versprechen und abgefahrene Stories, «alles beruhend auf wahrer Begebenheit». +en No 9 März 2025 Ralf Michaels Die stille Macht des Völkerrechts Wenn der Berliner Bürgermeister die UN-Beauftragte Francesca Albanese cancelt und Scholz und Merz sich offen gegen die Verfahren internationaler Gerichte zu Israel stellen, wird klar: Nicht mehr die Sorge vor Antisemitismus motiviert die deutsche Staatsräson, sondern die Angst vor dem Völkerrecht. +en No 9 März 2025 Wolfgang Kaleck Völkerrecht versus gute Geschäfte Deutsche Außenpolitik will wertegeleitet sein und internationales Recht verteidigen, Geschäfte mit problematischen Regierungen hat man trotzdem oft und gerne gemacht. Sind die Waffenlieferungen an Israel während der Zerstörung Gazas ein besonders eklatanter Doppelstandard, oder business as usual?
No 8 Jan. 2025 Login Tobias Haberkorn Äquivalenzhermeneutik Mit der Online-No. 8 erscheint auch unsere zweite Druckausgabe. Besser geworden ist wenig in diesem Jahr der Unnachgiebigkeit. Warum es so schwierig geworden ist, über Geschichte und Erinnerung zu sprechen, und wie uns das an der Gegenwart scheitern lässt. Ein Editorial zu unserem zweiten Reader. No 8 Jan. 2025 Alexander García Düttmann Der mittelmäßige Präsident Wie mittelmäßig darf, soll, muss ein Universitätspräsident sein? Geht es nach dem Mann, der ausgerechnet einer Universität der Künste die Kunst austreiben will, nicht mittelmäßig genug. Ein Bericht und eine Meditation – über einen, der einschüchtert, weil er sich selber hat einschüchtern lassen. No 8 Jan. 2025 Login Samir Sellami, Rebekka Deubner Ich kapotiere Ist Insomnia der tragische Ursprung umwerfender Kunst? Die ganze Kulturgeschichte scheint das beweisen zu wollen, aber die Fotografien von Rebekka Deubner und ein brasilianisches Verb erzählen eine andere Geschichte: Wie man aus der Welt fällt, ohne sie zu verlassen; kentert, ohne zu sinken. +en+ar No 8 Jan. 2025 Mohammed Al-Zaqzouq Bücher verbrennen in Gaza «Was für eine absolut niederschmetternde Situation: In all den Jahren, in denen ich mir diese Bücher nach und nach angeschafft hatte, wäre es mir nie in den Sinn gekommen, dass ich einmal zwischen ihnen und Brot für meine Kinder würde wählen müssen.» +en No 8 Jan. 2025 Georgi Gospodinow Übersetzen – ans Ufer eines weiteren Morgen «Erlauben Sie mir noch diese Analogie: Anders als Charon, der die Seelen mit einem Boot über den Fluss Lethe ins Reich der Toten übersetzt, übersetzt oder bringt das Schreiben in umgekehrter Richtung die Seelen der Toten ins Reich der lebenden Lesenden zurück.» +pt No 8 Jan. 2025 Marina Slhessarenko Barreto «Man kann das Leben nicht für jede Warnung unterbrechen» «Die ‹echte Gefahr› geht von Raketen aus, heißt es, und hier kommt die Zwei-Wände-Regel zum Tragen: Immer zwei Wände müssen es sein, die einen vom Einschlagsort trennen. Das erklärt, warum die Menschen in den Gängen auf Entwarnung warten. Für den Weg bis in den Bunker kommen die Raketen zu schnell.»
No 7 Nov. 2024 Lena Fiedler Down in Middletown J.D. Vance’ Stern ging vor acht Jahren als Buchautor auf: Seine Hillbilly-Elegie galt als Schlüsseltext über die Arbeiterklasse in Trumps Amerika. Einige politische Häutungen später ist er selbst Kandidat der hard right: Zeit für einen Besuch in Middletown, Ohio, Schauplatz seines Memoirs. +en No 7 Nov. 2024 Tal Sterngast «Sag, dass Jerusalem ist» Er könne sich die Welt ohne Israel nicht vorstellen, schrieb Paul Celan 1972 an Jehuda Amichai – und machte damit ein Phantasma namhaft, das den Nahostkonflikt bis heute bestimmt. Kurz nach der israelischen Beeper-Attacke im September traf sich eine Gruppe in Tel Aviv, um diesen Satz zu diskutieren.
No 6 Okt. 2024 Birthe Mühlhoff Einstürzende Elbbrücken «Abschieben Abschieben Abschieben war das brutalste AfD-Plakat im Sommer 2024, Abschiebung schafft Wohnraum das perfideste und Corona Unrecht aufarbeiten dasjenige, das mich am meisten nachdenklich gemacht hat.» Unklar, was in Sachsen zuerst da war: die Unfreundlichkeit oder der Fremdenhass. +en No 6 Okt. 2024 Christoph Gollasch Kontextloser Antisemitismus Die Erforschung antisemitischer Einstellungen in Deutschland orientiert sich am Begriff des vom Vernichtungswillen angetriebenen «Erlösungsantisemitismus». Mangelhafte Empirie, ein Generalverdacht gegen Muslim:innen und eine Armada orientierungsloser Antisemitismusbeauftragter sind die Folge. en No 6 Okt. 2024 L. Sasha Gora The Last Course As dining out has turned into an extreme sport—with chefs as idolized celebrities and customers as eager to perform—food lovers with a sense for sustainability keep asking one question: Is there a way ahead for culinary excellence that does not equate good food with bad labour practices? No 6 Okt. 2024 Samira Akbarian Die eigene Verletzlichkeit als Zwangsmittel einsetzen Wenn Polizisten in Kampfmontur Demonstration auflösen, sind sie der schmerzlich-konkrete Inbegriff von «Staatsgewalt». Wie widersetzt man sich solcher Gewalt, ändert vielleicht sogar ihre Prämissen? Nur wer die eigene Verletzlichkeit als Mittel einsetzt, kann der Gewaltlogik des Staates entkommen. No 6 Okt. 2024 Kerstin Stakemeier Ach, die Boys* Romantik ist die Sehnsucht, das Unberührte zu berühren. Dissoziation, wenn alle Organe gleichzeitig zur Flucht ansetzen. Lisa Jeschkes Gedichte, Übersetzungen und Editionen treiben Boyhood und nationale Gefühle über die Grenzen, ohne gleich wieder in einem neuen Volkskörper Heimaturlaub zu nehmen. No 6 Okt. 2024 Sandra Hetzl Arabische Black Boxes Arabisch ist eine Weltsprache, gesprochen von rund 3 Millionen Menschen in Deutschland – doch arabischsprachige Literatur ist hier schwer zu vermitteln. Das liegt an fehlenden Sprachkenntnissen in Verlagen, in der Literaturkritik und -wissenschaft; und leider auch an einem fatalen Generalverdacht.
No 5 Aug. 2024 Free Tobias Haberkorn, Samir Sellami Das Material entscheidet Die erste Printausgabe der Berlin Review ist erschienen. Mit neuen Texten und einer Auswahl der besten Essays, Reviews und Memos aus unseren ersten fünf Monaten. Im Editorial stellen wir unseren ersten Reader vor, schauen kurz zurück und gespannt nach vorne. No 5 Aug. 2024 Free Tobias Haberkorn, Maxime Verret Binäres Denken Die Gesellschaft sei gespalten, heißt es. Binäre Denkmuster, wie sie dieser Diagnose zugrundeliegen, sind oft hilfreich und manchmal auch notwendig. Aber sie begrenzen den Blick auf die Realität. Besonders für den Liberalismus ist das ein Problem. Fotografien von Maxime Verret
+en No 4 Juni 2024 Henrike Kohpeiß Treibende Praxis Dozierende zeigen kaum Solidarität mit Studierenden, deren Protestcamps von Hochschulleitungen und Polizei brutal geräumt werden. Dabei brauchen wir die zeltlagernden Studierenden, denn sie nutzen ihre Rechte, um auf Völkerrechtsbrüche hinzuweisen und basisdemokratische Lösungsansätze zu entwickeln. +en No 4 Juni 2024 Daniel Marwecki Kalkül der Versöhnung Unter Adenauer und Ben-Gurion nahm die deutsch-israelische Versöhnung an Fahrt auf. Gehandelt wurde dabei aus Kalkül, nicht aus Vergebungseifer und Reue. Somit beruht die Entstehungsgeschichte unserer Staatsräson auf einem einfachen Tauschhandel: Absolution für Deutschland, Aufbauhilfe für Israel. No 4 Juni 2024 Ralph Tharayil Kerala, Frühjahr 2024 «zum Beispiel, … dass seit dem 19. April general elections stattfinden, die umfangreichsten Wahlen, die die Welt kennt, 969 Millionen Wahlberechtigte, von denen wohl rund 70 Prozent über sechs Wochen zu den Wahllokalen marschieren werden…» – Ein Reisetagebuch aus Südindien im Frühjahr 2024.
No 3 Mai 2024 Lukas Haffert Hauptsache es steht die Null Die Schuldenbremse lässt Investitionen immerzu gegen laufende Ausgaben antreten. In der Regel verliert dabei die Zukunft, denn sie hat keine organisierte Lobby. Transformationspolitik lässt sich so nicht machen. Was aus der Forschung bekannt ist, perlt am deutschen Haushaltsdogmatismus einfach ab. No 3 Mai 2024 Ralf Michaels «Welche Regeln in Berlin gelten» Mit der polizeilichen Auflösung des Berliner Palästina-Kongresses am 14. April 2024 opfert der Staat die Rechtsstaatlichkeit zugunsten der Repression eines vermeintlichen Antisemitismus. Das kann nicht gut gehen.
No 2 Apr. 2024 Clara Miranda Scherffig Sandra rastet aus Ein Deutscher ist jemand, der nicht lügen kann, ohne selbst an seine Lüge zu glauben. Sandra Hüller hat aus diesem Aphorismus eine Kunstform gemacht: In The Zone of Interest und Anatomie eines Falls blenden ihre Figuren die Wirklichkeit derart authentisch aus, dass man ihnen glauben muss – oder? +en No 2 Apr. 2024 Martin Shaw Israels Militärdoktrin Vor dem 7. Oktober veröffentlichten Edward Luttwak und Eitan Shamir ein Buch über die «Innovation» der Israelischen Streitkräfte. Die beiden Militärstrategen verschleiern, wie die IDF wirklich vorgehen, und welche taktischen und doktrinären Vorgaben zur beinahe vollständigen Zerstörung Gazas führen. +en No 2 Apr. 2024 Frank Keizer Flat by Design Die niederländische Literatur hat ein Problem, das auch die deutsche betrifft: Entweder die Leute lesen gar nicht mehr oder sie tun es auf Englisch. Was tun gegen die unerbittliche Amerikanisierung lokaler Kulturen? Eine aufmüpfige Lyrikszene aus den Niederlanden und Flandern legt Fluchtlinien aus. No 2 Apr. 2024 Maxi Wallenhorst Triumph des Vibens Wer den TikTok-Algorithmus ein paar Stunden lang auf AfD-Content abrichtet, bekommt prompt nach einem Höcke-Interview ein Rommel-Meme zu sehen. Hat die AfD TikTok entdeckt, oder TikTok die AfD?
+en No 1 Feb. 2024 Adania Shibli Als das Monster freundlich war Die einzige Nachricht, die ich bis an ihr Ende schaffe, stammt von einer israelischen Nachrichtenseite. Sie ist auf den 4. Oktober 2023 datiert und berichtet von einer Schlange, die einen Igel in einem Stück verschlingen wollte. Der Igel spreizt seine Nadeln. Die Schlange stirbt und der Igel stirbt. No 1 Feb. 2024 Login Berlin Review Editors Editorial Worum geht es? Um literarisches Wissen, Mut zur Genauigkeit, auch Schönheit, Abschweifung und Nerdiness. Texte, die ein Fenster aufmachen und – How German Is It? – mal kräftig durchlüften. Welcome to Berlin Review. +en No 1 Feb. 2024 Didier Fassin Der ungleiche Wert palästinensischen Lebens Der Gaza-Krieg wird mit betäubender Gewalt und massiven palästinensischen Opferzahlen geführt. Eine über Jahrzehnte der Unterdrückung aufgebaute, zutiefst ungleiche Bewertung von Leben bildet die Genealogie der extremen Gewalt, die in Israel und Palästina seit dem 7. Oktober 2023 tobt. +en No 1 Feb. 2024 Ivan Krastev, Stephen Holmes Broken Contract Die liberale Nachkriegsordnung fußte auf einer Vermittlung des Singulären und Universellen. Im «Nie wieder», das Israel und die BRD sich je zu eigen machten, wurde sie kontraktualisiert. Nirgends ist ihr Ende nun prägnanter zu spüren als in Deutschland, das seit dem 7.10. mit seiner Identität ringt. No 1 Feb. 2024 Monika Rinck Denke: Knall «Jammerschade, daß es nicht gelingt, diesen Traum zu erzählen, der so merkwürdig seltsam skurril kurios absonderlich ist». Dabei war es ihr selbst noch immer gelungen: allzeit bereit auf der Schwelle, zugewandt und heiter entrückt. Im Januar starb Elke Erb in Berlin. Ein Gruß, aus traurigem Anlass.