Anzeige

Gulistan sah einen Mann der einmal in unserer Küche stehend Çîyas Fotos verbrannte und sich Amin nannte. Er stellte ein Glas auf einen Tisch.
Du hast die Wüste überlebt Gulistan. Dein Mann darf dich sehen. Trink das Wasser sonst überstehst du die nächsten Tage nicht. Ich gebe dir Zettel und Stift. Schreib mir was du mir geben kannst.

Auch im Berlin Review Reader 7

Menschen erschienen wie das Spinnennetz im Höhleneingang für den flüchtigen Propheten. Ihre Körper in den Kleidern der Lebenden verdrehten sich synchron mit den Augen und Armen nach oben unterworfen vor dem Jüngsten Tag. Im Kreis bewegten sie sich auf das Gebet zu denn ihre Füße verdursten nackt im Staub. Sie öffneten ihre Münder um Verse schon lange verbrannt zu verkünden. Das Haar der Kinder ergraut an einem Tag im Februar ergraut die Wolken ergraut die Zeiten kehrten um denn es wird keine Vögel am Himmel geben. Ich näherte mich ihnen ohne zu verbrennen. Da war ein Mann in ihrer Mitte dem alle Hände gereicht wurden. Ihm waren die Augen geschlagen und die Ohren geschnitten. Ihm waren die Zähne ersetzt. Ihm waren die Haare verbrannt und Arme vernarbt. Ihm waren die Rippen geprellt. Ihm war aus dem Mund Erbrochenes zu riechen. Ihm galten falsche Verbeugungen und tausendfache Flüche. Ihm galten alle bleiernen Kugeln und roten Steine. Ihm waren alle Sprachen verboten und alle Anfänge eines Tages genommen. Ihm war ein Keil zwischen die Nieren gesteckt und die Eingeweide verdorben. Ihm waren die ältesten Städte Schlachtstätte und das Eisen schwang spitz über dem Kopf. Ihm galten die Bomben aus aller Herren Länder und Beine in meinem Bauch gewachsen. Ich sah Çîya wie man den Mond am Tag sieht: Sein Gesicht bedeckt mit Fremdsein. Ich ging auf Çîya zu. Dir gehören meine gebrochenen Hände mein rechtes Auge das man mir nimmt und mein irritierter Mund in der Nacht meine Zähne gebrochen und ganz. Dir gehören die Haare ausgerissen und überdehnt die Arme im Bauch gewachsen die Haut meiner Rippen grün rot gelb das Fleisch blau. Çîya galten meine Knie und geschliffenen Schritte. Çîya ist jedes geschriebene Wort auch im Wasser. Meine Gespräche Albträume Handflächen und Dua. Dir gehören beide Flüsse auf meinem Rücken gepeitscht die Zahlen in Brüchen die Wände ohne Fenster alle Absprachen Geheimsprachen die Nachtstunden in meinem Haar. Die Augen der Menschen schielten nach innen um einen Körper in einem anderen zu verstecken. Çîya war allen Augen und Kugeln geliefert als Verkörperung eines Tyrannen. In unseren Kehlen hörten wir Vibrationen der Kampfflugzeuge. Am Himmel flogen Steine die man anbetete. Die Nacht brach den Tag auf am Himmel Kampfflieger in Form eines Knochens aus der Mitte der Menschen entnommen das Kreuzbein war ein Halbmond immer in der Absicht einen Keil in den Boden zu treiben. Nur ein Bein wird euch bleiben.
La ilaha illallah: Es gibt Gott nur Gott. Die Dattelpalmen werden die nächsten Jahrzehnte andere Früchte tragen. Ich verfluche das Land in den Krieg das schwöre ich bei den Explosionen ich lasse den Himmel tausendfach zerstückelt auf euch herabfallen. Ich zeichnete zwei Gesichter nebeneinander: Das schönste Werk das eine Frau von ihrem Mann erschaffen kann ist den Tyrannen in Brand zu setzen.

Die besten Texte in Ihrem Postfach
Unser kostenloser Newsletter

Newsletter-Anmeldung

Das Papier zitterte in Amins Händen. Er öffnete den Mund: Wer von einem Traum erzählt den er nicht gesehen hat wird beim Letzten Gericht aufgefordert zwei Haare zusammenzuknoten und er wird dies gewiss nicht tun können. Und wer ein Bild gestaltet der wird dafür am Tage des Jüngsten Gerichts aufgefordert in dieses den Lebensgeist einzuhauchen und er wird dies gewiss nicht tun können. Er kam mit dem Mund an mein Ohr: Trink dein Wasser. Gleich wird ein Mann dich abholen. Du darfst nicht zu viel Widerstand leisten. Du darfst auch nicht zu schnell aufgeben. Du solltest schreien und ihm deinen Schmerz zeigen. Aber du kannst nicht zu oft in Ohnmacht fallen. Das könnte den Prozess nur verlängern. Das könnte auch dazu führen sich öfter als nötig an dir zu vergehen. Bleib wach aber übertreibe es auch nicht. Vermeide das Schreien aus voller Kehle. Das könnte einige Männer erregen. Unterdrücke dein Schreien nicht. Das könnte den Mann fälschlicherweise dazu bringen härter zu schlagen als notwendig. Belohne seine Schläge mit Informationen aber er sollte immer das Gefühl haben morgen gibt es mehr zu holen. So verausgabt er sich nicht bei einer einzigen Sitzung. So überlebst du. Wenn du nichts verraten kannst bist du nutzlos. Du wirst entsprechend behandelt. Wenn du dich anbiederst machst du dich unglaubwürdig. Wie das Gespräch letztendlich abläuft liegt in deiner Hand. Der Mann führt nur aus was du ihm mitteilst. Auch unbewusst. Sie können einschätzen wie viel du imstande bist auszuhalten. Wie deine Ausdauer ist darüber haben sie Kenntnis. Deswegen versuch nicht künstlich etwas aufrechtzuerhalten wozu dir die Kraft fehlt. Versuche auch nicht schwächer zu tun als du bist denn das wird ihn nur verärgern. Solltest du versuchen ihm einzureden er müsste nichts davon tun wie Frauen es vor dir schon versuchten wie sie versuchten an das Herz des Mannes zu appellieren wie sie versuchten ihn an seine Schwester zu erinnern an seine Mutter an seine Großmutter dann schlägt er härter. Glaube mir. Der Mann sieht seine Mutter und seine Schwester in dir. Du kannst ihn bitten dich nicht zu schlagen aber argumentiere nicht dagegen. Ich bin der Einzige der dir helfen wird. Der dir erklärt was passiert und wie du an dein Ziel kommst. Alles wird geschehen was geschehen wird. Das ist nicht zu verhindern. Es wäre gut für dich an die Dinge zu glauben die nicht zu sehen sind. Jeder Körper kann auf eine Botschaft reduziert werden. Manche Männer sind gläubig. Es hilft den Namen Gottes zu nennen. Andere sind ungläubig. Sie fangen an zu lachen. Es macht ihnen sogar Freude dein Gebet zu hören. Damit erklärst du sie zu einem Gott. Finde heraus welche Beziehung der Mann zu Gott hat. Was kannst du mir geben Gulistan?
Offenbar nichts.

Nicht einmal ein Stottern.

Unterstützen Sie Berlin Review
Abos ab 5 € / Monat

Abos ansehen
Hier abonnieren, um diesen Text anzuhören.