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Biennale di Venezia
9 May 2026 - 22 Nov 2026

Melancholisch mutet das zarte Zirpen der Musikanten auf dem Markusplatz an. Das erste der kleinen Caféhaus-Ensembles bringt Leonard Cohens «Hallelujah» zur Aufführung mit einer heulenden Solo-Violine als Vorbeter. Die Venedig-Biennale soll, so sind sich verschiedene Kommentator:innen einig, als global relevantes Kunstereignis nicht mehr zu halten sein. Dem Rücktritt der Jury, die Russland und Israel aus der Preisvergabe ausschließen wollte, folgte ein schnell erfundener Publikumspreis. Doch sowohl die Mehrheit der Künstler:innen der Hauptausstellung als auch der Pavillons – von den Giardini-Pavillons ist Deutschland fast das einzige Land, das dabei nicht mitmacht – hat aus Solidarität mit der Jury verkündet, den Publikumspreis nicht haben zu wollen.

Auch im Berlin Review Reader 7.

Diese und andere Aktionen und Aufrufe gegen Artwashing konturieren einmal mehr und damit unausweichlicher den Widersinn einer internationalen Kunstausstellung, in der bildende Künstler:innen Staaten repräsentieren. «Als Künstlerin repräsentiere ich nicht den Staat», erklärt Sung Tieu dem ORF. Doch, das ist hier das Game, das gespielt wird. Und daraus nicht herauszukommen, triggert ja gerade im deutschen Pavillon früher schon den einen oder anderen Act von Entwindungsvirtuosität. Widersprüchlich fanden es schon immer alle, dass man ausgerechnet das ohne Landessprachen auskommende, idealiter internationale Genre, die bildende Kunst, Nationalstaaten zuordnet, die man gegeneinander antreten lässt. Welche:r ernstzunehmende:r Künstler:in kann oder konnte sich je mit einem Nationalstaat identifizieren? In den letzten Runden der Biennale ist dies etwa anhand des Themas der Flucht von künstlerischer wie aktivistischer Seite immer wieder laut geworden. Früher sagte man Vietnam. Heute Ukraine. Oder Gaza.

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Denn jetzt sind sie darüber hinaus auch noch Krieg führende Staaten, die sich in enger Nachbarschaft darum streiten sollen, wer den achtsamsten Pavillon bespielt? Die Krieg führenden Russen schauen dabei auf eine von der von ihnen bekriegten Ukraine am Eingang der Giardini aufgebaute, vor Bomben gerettete und durch halb Europa geschleppte Skulptur. Die ebenfalls Krieg führenden USA blinzeln von der anderen Seite des unter den Füßen knirschenden Giardini-Gangs. Deren ebenfalls Krieg führende, ja des Genozids angeklagten Nachbarn, die Israelis, haben diesen neben den USA liegenden Pavillon verlassen und sich stattdessen hinter dem Arsenale niedergelassen, wo der Hinrichtungsstaat Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die neuen Nachbarn sind. Abraham Accords? Und wenn man zu boykottieren beginnt, vielleicht erstmal nur die aktivsten Aggressoren, dann stellt sich natürlich bald die Frage, ob überhaupt irgendein Staat unverstrickt genug ist, nicht boykottwürdig zu sein. Uruguay vielleicht, die «Schweiz Südamerikas», wie es immer heißt? Aber nein, die Schweiz ist kein gutes Beispiel fürs Unverstrickte.

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