“It’s important to be honest with yourself, my shrink says at the end of one of our sessions—even if you don’t want to tell me everything. I make a weak joke—I’m Asian, I was brought up being judged. She doesn’t laugh, merely offers a tight smile before writing some notes.”
Maos Kulturrevolution und Dengs Reformkurs, «historische Mission» und Beatles-Manie, Tiananmen und die langen Schatten der Produktion: Wang Xiaobos derb-philosophische Prosa ist ein Dachsbau chinesischer Zustände – und Kult trotz Zensur. Nun gibt es sein Goldenes Zeitalter endlich auf Deutsch.
In China ist Wang Xiaobos «Goldenes Zeitalter» seit 30 Jahren Indie-Kult; auch in der Kurzform exzelliert er mit bübischem Frevel. Von einem besonderen Schwein, das der Produktionskette entkam und zum Arbeitsstreik pfiff, als «schlechtes Element» denunziert wurde – und auch das überlebte.
In Mai Ishizawas The Place of Shells geschieht Paranormales, doch beim Lesen fragt man sich, ob es nicht unser normierter Blick ist, der aus der Zeit gefallen ist. Ein wundersam solitäres Romandebüt der in Deutschland lebenden Japanerin, in dem der sanfte Göttinger Sommer eine Hauptrolle spielt.
Ist Taiwan, ein Staat mit heißlaufenden Chipfabriken, kaum Einwanderung, niedrigen Steuern und der Todesstrafe auf schwere Vergehen, ein Traumland für Libertäre? Notizen von einer seit Jahrhunderten antikolonialen Insel am Vorabend der Invasion, die vielleicht niemals kommen wird.
Die asiatischen Mächte, heißt es oft, strebten nach ökonomischer Hegemonie, nicht nach geistiger Vorherrschaft. Neue Bücher zeigen: Im Hintergrund formiert sich längst ein neues asiatisches Bewusstsein, das zwischen Revision und Revisionismus seiner Geschichte universalistische Ausgänge sucht.
Han Kang spricht leise und schreibt leise Literatur. Aber gerade damit erreicht sie Themen von äußerster Brutalität. Katharina Borchardt ist ihr mehrmals begegnet und rekonstruiert eine einzigartige literarische Werkgenese: immer nah bei den Pflanzen, an den Grenzen der Sprache und doch politisch.
In den 70ern schrieb er Heldengeschichten fürs chinesische Militär. Dann wurden die Chimären der Kindheit und Ängste der Kameraden zum Stoff seiner sprachgewaltigen Literatur. In volksnahen, wüsten Bildern beschwört Yan Liankes neuester Roman eine Genealogie der Gewalt in China von Mao bis Xi.