«Ein Vorname ist ein Talisman. Er ist die Erinnerung an den Weg, den alle anderen vor uns gegangen sind. Dass sie vor uns solches Leid ertragen haben, lindert unser eigenes. Ein Kind mit rechtem Namen ist auf ewig gerettet» – eine Erzählung zu den Bildern Rayan Yasminehs in unserem Reader 6
«Es war immer eine Illusion, dass staatlich geförderte Kultur in Deutschland überhaupt nichts mit Staatskultur zu tun habe» – ein Editorial für eine Welt, in der Kriege im Äußeren die Freiheitsräume im Inneren immer kleiner werden lassen – links und rechts von Wolfram Weimer.
Nach dem Holocaust beruhte die moralische Ordnung der Bundesrepublik auf der Verantwortung gegenüber Juden. Wenn daraus aber ein Verlangen wird, als «jüdisch» vorgestellte Eigenschaften selbst zu besitzen, schlägt die performative Liebe zu Juden in ihr Gegenteil um.
«Ich lächle oft. Ich biete vorsichtiges Englisch an, abgerundet und höflich. Ich sehe, wie Gesichtsausdrücke sich verändern, wenn ich sage, dass ich Palästinenserin bin. Dass ich aus Gaza komme.»
Was geschieht, wenn man die niederländische Literatur aus ihrem beschaulichen nationalen Gehäuse sprengt und in eine postimperiale, trümmerübersäte Weltgeschichte versetzt? Safae el Khannoussis Debüt folgt einer jüdisch-marokkanischen Dissidentin quer durch «Oroppa» und zurück nach Nordafrika.
«Die Wüste ist auf dem Vormarsch», schrieb Schklowskij 1926 über einen Autorenkollegen, dessen Hauptberuf es war, sibirische Steppenlandschaften urbar zu machen. Heute schwebt Platonov wie ein meteorischer Fremdkörper durch die Literaturgeschichte. Seine politische Botschaft könnte klarer kaum sein.
«Ein Verblödungszusammenhang, der sich als Nichtwahl zwischen einem Springer-Sch**** und einem Zeit-De**** präsentierte» – zwei Bücher von Erika Thomalla und Philipp Goll fangen ganz gut ein, wie der deutsche Popjournalismus sich in den 90ern spaltete – und bis heute nicht zusammenfand.
«Tod dem Schah» riefen in den 60ern Iraner:innen, die gegen die Diktatur ankämpften. Nach dem Januar-Massaker der islamischen Regierung an Protestierenden und mitten im US-israelischen Luftkrieg wünschen viele Exilierte sich den Schah zurück. Wie konnte die iranische Diaspora so nach rechts driften?
Frustrated with the prestige that Joachim Trier’s Sentimental Value has amassed with ease, our critic argues that arthouse cinema has entered an age of “production value,” in which the mere aura of seriousness has replaced originality, and quality of execution is everything.