Im Reader 7 zeigen wir eine Werkauswahl des Pariser Künstlers Pol Taburet. In seiner Malerei spielen Geister genauso eine Rolle wie Rap-Videos der frühen 2000er. Farben zeigen sich mal laut, mal still oder gedeckt, und afrokaribische Fabulationen machen uns mit seinen neuen Figuren vertraut.
Au revoir, transfuge de classe? Reflecting on a genre that she herself played no small role in shaping, Claudia Durastanti considers the way contemporary transclass literature has been impaired by austerity and downward mobility—and now “succumbs to an insidious hypertrophy of the self.”
Lange einem falschen Autor zugeschrieben, fordert Antoine Idier zur Neuausgabe von Christian Maurels Für den Arsch, den Text als Kernbeitrag zu politischen und publizistischen Debatten über Sexualität, Begehren und Revolution einzuordnen. Wir veröffentlichen sein Vorwort in deutscher Übersetzung.
Was geschieht, wenn man die niederländische Literatur aus ihrem beschaulichen nationalen Gehäuse sprengt und in eine postimperiale, trümmerübersäte Weltgeschichte versetzt? Safae el Khannoussis Debüt folgt einer jüdisch-marokkanischen Dissidentin quer durch «Oroppa» und zurück nach Nordafrika.
Abdalrahman Alqalaqs Gedichte und Prosa folgen einer Familie durch Jahrzehnte der Vertreibung. Im Burgtheater Hildesheim nimmt Abwesenheit Gewicht an: Kalksteine werden zu Gräbern und Ruinen, eine unruhige Geschichte immer wieder neu arrangiert.
Um 1960 galt Paris vielen Schwarzen Intellektuellen als Zufluchtsort vor Rassismus. In Gesicht aus Stein konfrontiert William Gardner Smith dieses Ideal mit der mörderischen Repression algerischer Einwanderer. Die resultierenden Konflikte, auch zwischen Minderheitengruppen, erinnern an heute.
Die zwölf reichsten Menschen der Erde besitzen mehr als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung – bei lächerlich geringen Steuersätzen auf Vermögen. Wie diese absurde Situation aus einer Nachkriegsanomalie entstand und wie sie sich beheben ließe, erklärt Gabriel Zucmans Reichensteuer. Aber richtig!
Mit manipulierten Medieninhalten haben deutsche Regierungen seit der «Emser Depesche» ihre Erfahrungen gemacht. Warum beteiligt sich der deutsche Außenminister, und mit ihm der französische, an der Kampagne gegen die UN-Palästina-Beauftragte Francesca Albanese, die nachweislich auf einem Fake fußt?
Auf der Bühne stehen die Autoren, doch für Substanz und Kontinuität im Literaturbetrieb sorgen die Lektoren. Jean Paulhan, legendärer Zeitschriftenmacher und Gallimard-Cheflektor, füllte beide Rollen. Seine Forschungen über madagassische Sprichwörter zeigen sein Sprachgenie und Sinn für Tradition.
«An der BPI sitzen zwei Schülerinnen in Tanktops und zeigen sich etwas auf ihren Handys – dass heute angeblich alle mit ihren Smartphones ähnliche Fotos machen könnten wie Wolfgang Tillmans, ist ein frecher Einwand gegen seinen Stil, eigentlich aber die ultimative Anerkennung seiner Meisterschaft.»
Autobiografisches war ihm fast so zuwider wie Klerus und Bürgertum. Umso wertvoller sind Flauberts neben weiteren Skizzen lange verschollene Grabreden auf beste Freunde. Sie zeugen von seinem Hass auf die Ehe und einer Gegenutopie: Familien «im Geiste», die keine Kinder produzieren, sondern Werke.
Einer Mutter wird das Sorgerecht aberkannt, weil sie jetzt Sex mit anderen Frauen hat. Constance Debré macht aus diesem Trauma Autofiktion. Die Skandalisierung des Buches durch Medien und Kritik zeugt von der tiefen Verankerung heteronormativer Überzeugungen auch in progressiven Kreisen.