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Audio No 20 Juni 2026
Auch Schurkenstaaten sind trendsensibel: Auf der Venedig-Biennale 2026 sehen Pavillons wie der russische der modernekritischen Hauptausstellung verdächtig ähnlich. Der Kritikerkamarilla, die sich jahrelang über zu viel Politik und Theorie in der Kunst beschwert hat, müsste das eigentlich gefallen.
+en No 20 Juni 2026
Zwei Bücher über den Jüdischen Arbeiterbund und die radikale linke jüdische Tradition zeigen auf, wie heutige Politik sich aus einer lange vergessenen Geschichte diasporischer Solidarität inspirieren kann – dass den Autor:innen dabei auch ein paar Anachronismen unterlaufen, lässt sich verschmerzen.
en Audio No 19 Mai 2026
Europe’s complicity has not only sustained the genocide of Palestinians, but also triggered a crisis of political legitimacy. If any political or moral credibility is to be salvaged, a different movement from below is needed.
+en Audio No 19 Mai 2026
«Manichäismus allenthalben – das Ende der Welt, der Demokratie und der Zivilisation, wenn der gute Kampf gegen den bösen Autoritarismus nicht mit allen Mitteln geführt wird – von unserer Jugend, die das Gespenst der deutschen Jugend von vor zwei Generationen bekämpft, die den bösen Kampf führte.»
+en Audio No 18 Apr. 2026 Free
«Es war immer eine Illusion, dass staatlich geförderte Kultur in Deutschland überhaupt nichts mit Staatskultur zu tun habe» – ein Editorial für eine Welt, in der Kriege im Äußeren die Freiheitsräume im Inneren immer kleiner werden lassen – links und rechts von Wolfram Weimer.
Audio No 18 Apr. 2026
«Die Wüste ist auf dem Vormarsch», schrieb Schklowskij 1926 über einen Autorenkollegen, dessen Hauptberuf es war, sibirische Steppenlandschaften urbar zu machen. Heute schwebt Platonov wie ein meteorischer Fremdkörper durch die Literaturgeschichte. Seine politische Botschaft könnte klarer kaum sein.
+en Audio No 16 Jan. 2026 Login
«An der BPI sitzen zwei Schülerinnen in Tanktops und zeigen sich etwas auf ihren Handys – dass heute angeblich alle mit ihren Smartphones ähnliche Fotos machen könnten wie Wolfgang Tillmans, ist ein frecher Einwand gegen seinen Stil, eigentlich aber die ultimative Anerkennung seiner Meisterschaft.»
Audio No 15 Nov. 2025
Der russische Überfall auf die Ukraine besiegelte den globalen Machtverlust des Westens, obwohl er ihm zu einem letzten kurzen Hurra verhalf. Seither fliegen den liberalen Demokratien die eigenen Sünden um die Ohren. Sie brauchen eine Fähigkeit, die im Nachkrieg kaum gefragt war: Improvisation.
No 9 März 2025
Im «Charlottengrad» der 1920er lebten nicht nur Nabokov und Schklowski, sondern eine halbe Million exilierter Sowjetbürger. Roman Utkins gleichnamiges Buch zeigt diese Community in ihrer ganzen existentiellen Ambivalenz – und wirft ein schillerndes Gegenlicht auf Berlins heutige Exilanten.
No 8 Jan. 2025
Schon vor 1900 lieferte Mannesmann Pipelines nach Sibirien. Was für die BRD zu lukrativen Energieimporten führte, hat in Russland kolonialistische Auswirkungen bis heute. Matteo Sciannas Sonderzug nach Moskau erzählt die deutsch-russische Energiesymbiose, übersieht aber ihren kolonialen Aspekt.
+pt No 8 Jan. 2025
«Die ‹echte Gefahr› geht von Raketen aus, heißt es, und hier kommt die Zwei-Wände-Regel zum Tragen: Immer zwei Wände müssen es sein, die einen vom Einschlagsort trennen. Das erklärt, warum die Menschen in den Gängen auf Entwarnung warten. Für den Weg bis in den Bunker kommen die Raketen zu schnell.»
No 7 Nov. 2024
Mykolajiw wurde im März 2022 von russischen Truppen belagert und wird seither bombardiert. Die Verteidigung hielt, aber die Trinkwasserversorgung wurde zerstört – es fließt Salzwasser in den Leitungen. Wie es ist, wenn einer 500.000-Einwohnerstadt die Infrastruktur des täglichen Lebens wegbricht.
No 6 Okt. 2024
Grosny, «Die Schreckliche», wurde 1818 als russische Garnison im Kaukasus gegründet. Von hier dominierte das Zarenreich, die UdSSR, schließlich Putin die Gebirgsregion. Tschetschenen, Georgier und Armenier haben ein taktisches Verhältnis zur Großmacht. Ein Modellfall von russischem Kolonialismus?
No 5 Aug. 2024
«Greife in jeder unangenehmen Situation zu einem russischen Klassiker, dort ist alles noch schlimmer», lautet ein alter Witz. Inmitten von Repression und Propaganda lesen Russ:innen besonders zwei Arten von Literatur: Junge, weibliche Autofiktion, und alte Männer aus dem sowjetischen Underground.
No 1 Feb. 2024
Prophetie mit oder ohne Puschkin. In Sergej Lebedews Erzählungen fault nicht nur das Gebälk der Lubjanka, auch die großen Fortschrittserzählungen Russlands verwesen und geben den Blick frei – auf Totengräber, Giftmischer, Geheimdienstler und noch weit seltsamere Gestalten.