Berlin ist vermüllt – und alle Parteien wollen das ändern. Die Mittel, die dafür vorschlagen werden, reichen von autoritär bis gemeinschaftsbildend. Zwischen Ideologie und Pragmatismus hat «Müll» sich zu einem Politikfeld entwickelt, in dem zeitgemäße Formen von Demokratie eingeübt werden könnten.
Once among the world’s most open, Russia’s internet is now a maze of proxies, spyware, mandatory apps, and sandboxed networks. Writing under a pseudonym, a Russian journalist reports on what remains of the free web under Putin’s wartime regime.
Berlin’s public pools have become battlegrounds over race, security, and national decline. The moral panic surrounding the Volksbad project asks what remains of the pool as a public good, and what kinds of social life can still take shape there.
Im Zusammenspiel politischer Bewegungen und publizistischer Praxis erschienen in den letzten Jahrzehnten Texte, die in ihrer Mobilisierungskraft die herrschende Ordnung gefährdeten. Was machte diese «gefährlichen Texte» aus, und welche Rolle spielen sie heute?
Two recent books examine the life of Magnus Hirschfeld—a sexologist and trans advocate in Weimar Germany—to better understand today’s anti-trans backlash. Yet both “misread the moment and in some cases the historical record, and remain stuck in more comforting and less useful narratives.”
Der Wohlfahrtsstaat krepiert, die Scandinavian Star ist längst gesunken, der dänische Fortsetzungsroman läuft weiter. Asta Olivia Nordenhof schreibt über Kapitalismus als Tragödie ohne Schluss. Wie aussteigen aus einer Maschinerie, die sich selbst unendlich reproduziert?
Disguised as a literary biopic, Fatherland follows Thomas Mann through a divided Germany in 1949 to accept two parallel literary prizes. But beyond dramatizing an oft-invoked moment in history, the film offers a reflection on the condition of the aging intellectual and the force of the past.
Alle reden vom neuen Faschismus, doch niemandem gelingt es so recht, ihn zu definieren. Zwei Bücher von Eva von Redecker und Dagmar Herzog zeigen auf, wie man es machen kann: Indem man sich auf zwei Kernphänomene konzentriert – ein gewalttätiges Eigentumsdenken und Hass auf Menschen mit Behinderung.
«Es gibt inzwischen eine Technologie, die vorgibt, jederzeit und von jedem beliebigen Standpunkt aus über jedes beliebige Thema sprechen zu können. Wie könnte die Punkte-Philosophin da widerstehen?»
Die Hessen-CDU will neben der Verherrlichung des NS-Regimes und Leugnung des Holocaust auch die Ablehnung des «Existenzrechts Israels» unter Strafe stellen. Um dies zu erreichen, will sie ein Sonderrecht ins Strafgesetz einführen – es würde die deutsche Verfassungsidentität fundamental verändern.
Im Reader 7 zeigen wir eine Werkauswahl des Pariser Künstlers Pol Taburet. In seiner Malerei spielen Geister genauso eine Rolle wie Rap-Videos der frühen 2000er. Farben zeigen sich mal laut, mal still oder gedeckt, und afrokaribische Fabulationen machen uns mit seinen neuen Figuren vertraut.
«Ich verfluche das Land in den Krieg das schwöre ich bei den Explosionen ich lasse den Himmel tausendfach zerstückelt auf euch herabfallen» – ein Auszug aus Karosh Tahas neuem Roman Gulistan
Part memoir, part archive, part political history, Cristina Rivera Garza’s Autobiography of Cotton traces the intertwined histories of cotton, labor, family, and border violence across twentieth-century northern Mexico.
A new counter-canon turns away from the fascist monuments that became architectural classics to look at forgotten antifascist projects. From Red Vienna to Gaza, Antifascist Architecture traces buildings shaped by solidarity, resistance, and collective life rather than power and spectacle.
Wer Antifaschist:innen mehr fürchtet als Faschist:innen, der verwechselt Demokratie mit der grenzenlosen Toleranz für ihre Gegner. Solange es kein Verbotsverfahren gegen die AfD gibt, ist ziviler Ungehorsam gegen sie eins der besten Mittel zur Verteidigung der bundesrepublikanischen Verfassung.
Alle in Brasilien zahlen mit «PIX», dem besten digitalen Zahlungssystem der Welt. Das provoziert die US-Regierung zu einem Angriff, der weit über Handelsfragen und Zollpolitik hinausreicht. Was macht Pix so unwiderstehlich gut? Und was für die MAGA-Bewegung gefährlich?
Der neue Faschismus ist auch ein Sound-Ereignis, zumal in Argentinien, wo Javier Milei mit Kettensägen rasselt und sein Programm wie ein Metalsänger ins Mikrofon brüllt. Ein Bericht aus Buenos Aires unter dem Einfluss von ohrenbetäubendem Lärm, Bildbrüchen, Geisterbeschwörung und Omertà.
Christopher Nolans «Odyssee» verteidigt das Kino gegen KI – mit großem Budget, viel Handwerk und einer PR-Kampagne, die das Genie des Regisseurs zelebriert. Spielt der Film auf der Höhe seiner Ambition? Und wie überzeugend ist Nolans Allegorie vom Zivilisationsbruch im Gegenlicht heutiger Krisen?
Nobody killed the humanities. And yet they lie in guilt and agony in their cave, reaching for the last roasted scraps of the Sun God’s sacred cattle. What does this end-of-the-world Odyssey summer mean for the public intellectual? And can they survive it?
«Das bedrückende, aber auch interessante Gefühl, nie wirklich jung gewesen zu sein, dürfte der Lebenswirklichkeit vieler junger Menschen heute schicksalhaft entsprechen.» Auffallend viele Texte in unserem Reader 7 beschäftigen sich mit Ewigkeit, Tod – und dem nicht-optimierbaren Rest des Lebens.
Nach der Dekolonisierung kamen die Despoten: So verkürzend erzählen westliche Beobachter gern die Geschichte afrikanischer Nationalstaaten. In Slow Poison gelingt dem Anthropologen Mahmood Mamdani etwas anderes: das genaue Porträt zweier Diktatoren und zugleich seines Heimatlandes Uganda.
Ewig leben im Abo-Modell: Longevity überführt rechte Verfallsangst und religiöse Endzeitsehnsucht in eine Pay-to-Pray-App für alle, die schon heute erlöst sein wollen.
Who has the freedom to be disliked? Wuthering Heights, One Battle After Another, and other recent cultural products reveal different approaches to navigating the politics of race and representation—shaping not only fictional characters, but the practice of criticism itself.
Sich wahllos China-Content reinzuziehen, den man gar nicht versteht, ist das Meme dieses Internet-Jahres. Unser Autor will sein «Chinamaxxing» aber nicht als typische Anbiederung eines westlichen Intellektuellen an den kommenden Hegemon verstanden wissen. Er ist zum echten Daoisten geworden.
Auch Schurkenstaaten sind trendsensibel: Auf der Venedig-Biennale 2026 sehen Pavillons wie der russische der modernekritischen Hauptausstellung verdächtig ähnlich. Der Kritikerkamarilla, die sich jahrelang über zu viel Politik und Theorie in der Kunst beschwert hat, müsste das eigentlich gefallen.
Zwei Bücher über den Jüdischen Arbeiterbund und die radikale linke jüdische Tradition zeigen auf, wie heutige Politik sich aus einer lange vergessenen Geschichte diasporischer Solidarität inspirieren kann – dass den Autor:innen dabei auch ein paar Anachronismen unterlaufen, lässt sich verschmerzen.
Au revoir, transfuge de classe? Reflecting on a genre that she herself played no small role in shaping, Claudia Durastanti considers the way contemporary transclass literature has been impaired by austerity and downward mobility—and now “succumbs to an insidious hypertrophy of the self.”