Die Hessen-CDU will neben der Verherrlichung des NS-Regimes und Leugnung des Holocaust auch die Ablehnung des «Existenzrechts Israels» unter Strafe stellen. Um dies zu erreichen, will sie ein Sonderrecht ins Strafgesetz einführen – es würde die deutsche Verfassungsidentität fundamental verändern.
Im Reader 7 zeigen wir eine Werkauswahl des Pariser Künstlers Pol Taburet. In seiner Malerei spielen Geister genauso eine Rolle wie Rap-Videos der frühen 2000er. Farben zeigen sich mal laut, mal still oder gedeckt, und afrokaribische Fabulationen machen uns mit seinen neuen Figuren vertraut.
«Ich verfluche das Land in den Krieg das schwöre ich bei den Explosionen ich lasse den Himmel tausendfach zerstückelt auf euch herabfallen» – ein Auszug aus Karosh Tahas neuem Roman Gulistan
Nach der Dekolonisierung kamen die Despoten: So verkürzend erzählen westliche Beobachter gern die Geschichte afrikanischer Nationalstaaten. In Slow Poison gelingt dem Anthropologen Mahmood Mamdani etwas anderes: das genaue Porträt zweier Diktatoren und zugleich seines Heimatlandes Uganda.
Who has the freedom to be disliked? Wuthering Heights, One Battle After Another, and other recent cultural products reveal different approaches to navigating the politics of race and representation—shaping not only fictional characters, but the practice of criticism itself.
Zwei Bücher über den Jüdischen Arbeiterbund und die radikale linke jüdische Tradition zeigen auf, wie heutige Politik sich aus einer lange vergessenen Geschichte diasporischer Solidarität inspirieren kann – dass den Autor:innen dabei auch ein paar Anachronismen unterlaufen, lässt sich verschmerzen.
Was im Januar mit Angriffen auf kurdische Viertel in Aleppo begann, war nur ein Anfangssymptom der größeren Neuordnung Syriens und der gesamten Region. In welcher Form kann kurdische Selbstverwaltung, wie sie in Rojava als Überlebensregime gelebt wird, hier Zukunft haben?
«Wer unglücklich mit einem Staat ist, kann drei Haltungen einnehmen: einen Wechsel der Regierung fordern, einen des Regimes – oder eine Abschaffung des Staates.» Auch jüdische Kritiken an Israel folgen diesem Schema. Lassen sie sich wirklich, wie einige behaupten, in jüdischer Tradition begründen?
«Ein Vorname ist ein Talisman. Er ist die Erinnerung an den Weg, den alle anderen vor uns gegangen sind. Dass sie vor uns solches Leid ertragen haben, lindert unser eigenes. Ein Kind mit rechtem Namen ist auf ewig gerettet» – eine Erzählung zu den Bildern Rayan Yasminehs in unserem Reader 6
«Ich lächle oft. Ich biete vorsichtiges Englisch an, abgerundet und höflich. Ich sehe, wie Gesichtsausdrücke sich verändern, wenn ich sage, dass ich Palästinenserin bin. Dass ich aus Gaza komme.»
«Tod dem Schah» riefen in den 60ern Iraner:innen, die gegen die Diktatur ankämpften. Nach dem Januar-Massaker der islamischen Regierung an Protestierenden und mitten im US-israelischen Luftkrieg wünschen viele Exilierte sich den Schah zurück. Wie konnte die iranische Diaspora so nach rechts driften?
Abdalrahman Alqalaqs Gedichte und Prosa folgen einer Familie durch Jahrzehnte der Vertreibung. Im Burgtheater Hildesheim nimmt Abwesenheit Gewicht an: Kalksteine werden zu Gräbern und Ruinen, eine unruhige Geschichte immer wieder neu arrangiert.
Was wäre, wenn wir eines Tages aufwachen und feststellen, dass alle Palästinenser:innen vom Erdboden verschwunden sind? Ibtisam Azems Roman Das Buch vom Verschwinden geht diesem Gedankenexperiment nach – nicht als dystopische Zukunft, sondern als Spiegel einer anhaltenden Realität von Vertreibung.
Um 1960 galt Paris vielen Schwarzen Intellektuellen als Zufluchtsort vor Rassismus. In Gesicht aus Stein konfrontiert William Gardner Smith dieses Ideal mit der mörderischen Repression algerischer Einwanderer. Die resultierenden Konflikte, auch zwischen Minderheitengruppen, erinnern an heute.
A genocide, a right-wing order, an AI-overload of words and images. Ahead of Eiscafé Europa’s English-language release, the author reflects on the political traces and transformations of the seven years since its first publication.
Vor ihrer Weltkarriere als Autorin war Toni Morrison zwei Dekaden lang Lektorin bei Random House. Eine akribische Studie von Dana A. Williams erhellt diese Zeit, lässt das Wichtigste aber aus: den poetischen und politischen Kontext, in dem Morrison als eine der ersten Schwarze Literatur ermöglichte.
Von alltäglichen Übergriffen bis zum Extremfall Genozid, immer zwingt eine Seite der anderen Gewalt auf. Doch es gibt Wege, die Gewalt zurückzuweisen. Indigene Kämpfe in Palästina, Indien und unter den First Nations zeigen ein weites Spektrum zwischen Gewaltverzicht und bewaffnetem Widerstand.
Ali Al-Kurdis Der Schamaya-Palast erzählt fragmentarisch und über Jahrzehnte hinweg vom Leben in einer Flüchtlingsunterkunft im jüdischen Viertel von Damaskus. Die deutsche Übersetzung weist Mängel auf, die das politische Sprengpotenzial des Romans an Schlüsselmomenten entschärfen. — Teil 2 von 4.
Für viele ist Judith Butler – in Nachfolge Hannah Arendts – zur «passioniertesten säkularen jüdischen Kritikerin des Zionismus» im 21. Jahrhundert geworden. Wer Butlers Schriften über Israel und Palästina ernst nimmt, erkennt ein Denken der Gewaltlosigkeit, das beide Konfliktparteien herausfordert.
Jens Balzer und Susan Neiman wollen die Linken vor den «Woken» retten, sind sich aber vollkommen uneins darüber, was an dieser Sensibilität das Schlimmste sein soll. Geht’s ihnen gar nicht um aktuelle politische Kämpfe, sondern um ein Ideengerüst aus den 90ern – das einfach mal ein Update braucht?